You are here: Nachrichten Abstracts_EdWorkshop Assmann Fischer Sahle

Assmann Fischer Sahle

Bernhard Assmann (Universitätsbibliothek Trier), Franz Fischer (Thomas-Institut Köln), Patrick Sahle (Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen):

Zur kritisch-digitalen Erstausgabe der Summa de officiis ecclesiasticis des Wilhelm von Auxerre (ca. 1160-1231)



Wilhelm von Auxerre (ca. 1160-1231) wirkte in den Anfängen der Universität zu Paris als Magister und Theologe und war auf unterschiedliche Weise in den Entstehungsprozess dieser Institution involviert. Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit verfasste er die Summa de officiis ecclesiasticis, in der er den Versuch einer umfassenden symbolisch-allegorischen Deutung des christlich-liturgischen Kultgeschehens unternimmt. Sie ist in 15 heute bekannten Handschriften überliefert und wurde bisher in keiner Form gedruckt oder kritisch ediert.

Die Edition der Summa de officiis ecclesiasticis versucht, sich die Möglichkeiten der digitalen Datenverarbeitung zunutze zu machen und die für historisch-kritische Bucheditionen herausgebildeten methodischen Standards und Präsentationsformen im Medium des Digitalen weiterzuentwickeln. Sie versteht sich als ein praktischer Beitrag zu der notwendigen Diskussion darüber, wie die wissenschaftliche Erschließung der schriftlichen Überlieferung insbesondere mittellateinischer Werke unter den gewandelten medialen Voraussetzungen betrieben werden sollte. Die Edition ist dabei einem pluralistischen und integrativen Verständnis von Textualität verschrieben und soll eine Vielfalt von Herangehensweisen sowohl an die erschlossenen Dokumente als auch an die konstituierten Textversionen ermöglichen. Gestützt auf eine vollständige Dokumentation der handschriftlichen Überlieferung durch Abbildungen und Beschreibungen sollen jeweils optional zu generierenden Textansichten literarische, paläographische, kodikologische, linguistische, überlieferungs- und rezeptionsgeschichtliche Interessen bedienen.

Da dies nicht selbstverständlich ist, muss betont werden, dass es sich hier nicht um Pläne oder einen Prototypen handelt, sondern um eine der immer noch seltenen tatsächlich vollständig ausgearbeiteten digitalen Editionen – auch wenn man diese naturgemäß (!) niemals „abgeschlossen“ wird nennen können. Im Rahmen eines kurzen Vortrags werden aus dem komplexen Unterfangen nur einige Aspekte zu beleuchten sein: Neben dem behandelten Text und der Verortung der vorliegenden Edition im weiteren Feld der Texttheorien und Editionsmethodiken betrifft dies vor allem die praktische Umsetzung. Hier wurde von typographisch organisierten Erfassungsarbeiten aus ein allgemeines Datenmodell entwickelt, das nach dem Konzept des „Single Source Publishing“ zu vielen verschiedenen Darstellungs- und Ausgabeformen führt. Dem Workshop-Charakter der Veranstaltung soll dadurch Rechnung getragen werden, dass die allgemeinen Überlegungen durch kurze Einblicke in die Anwendung von Datenstandards (z.B. TEI) und Technologien (hier: die X-Technologien) konkretisiert werden.
Personal tools