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Fotis Jannidis (TU Darmstadt):

TextGrid: Neue Werkzeuge für Editionen


Der Vortrag wird einen Überblick über das Projekt Textgrid geben. TextGrid ist eine modulare Plattform für verteilte und kooperative wissenschaftliche Textdatenverarbeitung. Ziel ist die Errichtung einer grid-fähigen Workbench für die gemeinschaftliche philologische Bearbeitung, Analyse, Annotation, Edition und Publikation von Textdaten für die Philologie, Linguistik und angrenzende Wissenschaften.
Wissenschaftliche Primärtexte stellen das Ergebnis eines komplexen, erkenntnisgeleiteten Prozesses dar, der trotz aller erkennbaren Bemühungen der Textwissenschaften um stärker kooperativ organisierte Arbeitsverfahren derzeit vorwiegend in lokalen Installationen mit jeweils projektbezogenen Applikationen abläuft. Dies führt in der Regel dazu, dass neu erstellte digitale Texte nicht in vorhandene Datensammlungen integriert und nicht mit Erschließungsmaterialien wie etwa Wörterbüchern, Lexika, Nachschlagewerken und Indizierungsinstrumenten verknüpft werden. Damit geht ein großer Teil des möglichen Mehrfachnutzens moderner EDV-unterstützter Erstellungsverfahren verloren.
Es gibt daher ein großes Entwicklungspotenzial für die Schaffung integrierter Instrumente, die sowohl die spezifischen Anforderungen der Textwissenschaften in den Bereichen der philologischen Bearbeitung, Analyse, Annotation, Edition und Publikation erfüllen als auch den Transfer von e-Science-Methoden netzbasierten Arbeitens in die Geisteswissenschaften ermöglichen. Die von TextGrid konzipierte Workbench wird beiden Anforderungen gerecht werden.
Eine Grid-gestützte Architektur liegt aus mehreren Gründen auf der Hand: So existieren zwar zum einen schon heute als Ergebnis zahlreicher Digitalisierungs- und Editionsvorhaben zusammen gesehen gewaltige Textdatenmengen im Terabyte-Bereich, die aber national wie international in disparaten lokalen Strukturen und inkompatiblen Formaten vorgehalten werden. Zum anderen  kann mit der Grid-Architektur die heterogene und nicht integrierte Verteilung der Ressourcen, die internationale Zersplitterung von Forschungs- und Arbeitsgruppen sowie die nur lokale Bereitstellung potentiell integrationsfähiger Software-Module überwunden werden. Auf diesem Weg entsteht eine Plattform, auf der zeit- und ortsunabhängig die weltweit gestreuten wissenschaftlichen Kompetenzen zur Bearbeitung von Texten gebündelt und mit einem Paket modularer Softwaretools ausgestattet werden, wobei bereits vorhandene partielle Lösungen adaptiert und integriert werden. Die Entwicklung neuer Software sowie die Integration vorhandener Tools in der Form von Diensten ist ein wichtiges Ziel des Projekts
TextGrid ist Teil der bundesweiten Initiative D-Grid, deren Ziel es ist, eine nachhaltige Grid-Infrastruktur in Deutschland aufzubauen. Mit Hilfe dieser Infrastruktur werden in den Wissenschaften Methoden der  e-Science etabliert, einer neuen Form vernetzten wissenschaftlichen Arbeitens, die neueste Informationstechniken, Netz- und Wissenstechnologien nutzt, um komplexe Forschungsprozesse und den damit verbunden Informationsfluss zu verbessern und zu intensivieren. Um dies zu erreichen, werden hochleistungsfähige, verteilte Rechner- und Datenressourcen und darauf aufbauende Dienste zu einem integrierten Forschungsnetz zusammengeschlossen: Dem Grid.

http://www.textgrid.de/
Benutzerspezifische Werkzeuge